Er ist seit zwölf Jahren Pilot. Mit knapp 5 Jahren Langstreckenerfahrung im Cockpit, trägt er Verantwortung für hunderte Menschen pro Flug: Jan-Lucas Hanke kennt beide Seiten, über den Wolken sowie als Creator und Unternemer. Was hat der Alltag im Cockpit mit einem erfolgreichen Leben am Boden zu tun?
Pilot, Creator & Unternehmer Jan-Lucas Hanke über die Cockpit-Logik: Was Piloten über Erfolg wissen, das die meisten Männer erst zu spät lernen
Irgendwo zwischen zwei Langstreckenflügen, in einem kurzen Zeitfenster aus Briefing, Zeitverschiebung und Kaffee auf die Hand, findet dieses Gespräch statt. Kein Studio, kein aufwendiges Setting. Nur ein Mann, der wenige Stunden zuvor noch hunderte Passagiere sicher über den Atlantik gebracht hat und nun mit Sebastian Nelles, Chefredakteur von Men’s Mag, über etwas spricht, das auf den ersten Blick wenig mit Fliegerei zu tun hat:
Wie Männer heute erfolgreich durchs Leben kommen.
Seit zwölf Jahren sitzt Jan-Lucas Hanke im Cockpit, seit einigen Jahren zusätzlich vor der Kamera: als Creator, der seinen knapp 200.000 Followern online Einblicke in sein Leben zwischen Cockpit, Reisen, Business und Lifestyle gibt.

Bild: Jan-Lucas Hanke
Wer ihn reden hört, merkt schnell: Hier will jemand nicht nur unterhalten, sondern etwas weitergeben. Sein Anspruch ist unmissverständlich:
„Mir ist immer wichtig, dass die Authentizität auf Instagram oder auf meinen Social-Media-Kanälen maximal hoch ist.“
Dass das nicht immer so war, gibt er offen zu. Früher, sagt er, sei er eher „derjenige, der auf Social Media gut ankommt“ gewesen. Ein Lernprozess, den er inzwischen als Teil seiner Verantwortung begreift.
Verantwortung.
Es ist das Wort, das sich wie ein roter Faden durch das gesamte Gespräch zieht, immer wieder, in unterschiedlichen Variationen. Als Pilot bringt Jan-Lucas pro Flug hunderte Menschen sicher von A nach B, als Creator trägt er, wie er es formuliert,
„eine große Verantwortung in der Onlinepräsenz, in dem, wie ich mich gebe, wie ich mich zeige“.
Zwei Bühnen, ein Anspruch und daraus ist mit der Zeit etwas entstanden, das er selbst die „Cockpit-Logik“.
klare Systeme, gute Vorbereitung, Eigenverantwortung und immer einen Plan B in der Hinterhand.
Statt sich auf Motivation oder Zufall zu verlassen, geht es darum, vorauszudenken,
strukturiert zu handeln und auch unter Druck entscheidungsfähig zu bleiben.
Mit anderen Worten: Checklisten statt Chaos, Plan B statt Zufall, Disziplin statt Motivation. Aus dem Flugalltag, übertragen auf Karriere, Business und Alltag.
Frage zuerst, was du selbst beeinflussen kannst: deine Vorbereitung, deine Entscheidungen, dein Umfeld und deine Reaktion auf Probleme. Eigenverantwortung bedeutet nicht, alles allein machen zu müssen – sondern den eigenen Anteil nicht an andere abzugeben.
Klingt nüchtern, fast schon technisch. Ist es aber nicht, wie sich im Verlauf des Gesprächs zeigt, sondern tief persönlich, geprägt von tausenden Stunden in der Luft, in denen für Beliebigkeit schlicht kein Platz ist.
Weil, so Jan-Lucas, viele Männer
„in manchen Lebenssituationen, auch in einfachen Lebenssituationen, keinen guten Plan B oder keinen guten Plan C haben.“
Und genau das ist aus seiner Sicht ein unterschätztes Erfolgshindernis.
Sebastian Nelles wollte im Gespräch genau das herausfinden: Was von der harten Logik des Cockpits lässt sich tatsächlich auf ein normales Männerleben übertragen, ohne dabei zur leeren Floskel zu werden?
Im Gespräch mit dem Men’s-Mag-Gründer und Herausgeber erklärt Jan-Lucas, was das Cockpit ihn über Verantwortung, Vorbereitung und echte Disziplin gelehrt hat und warum er glaubt, dass genau diese Prinzipien auch am Boden über Erfolg und Stillstand entscheiden.

Bild: Jan-Lucas Hanke
Disziplin schlägt Motivation
Sebastian Nelles: Im Cockpit gibt es klare Prozesse und Checklisten. Welche dieser Prinzipien nutzt du heute ganz selbstverständlich, auch privat oder als Unternehmer?
Jan-Lucas Hanke: Für mich heißt es morgens erst mal, einen kleinen „Selbstreflexions-Check“ zu machen:
Und ich schreibe mir meistens meine drei größten Dinge auf, die ich am Tag schaffen will. Wenn man sich nur drei Dinge vornimmt statt fünfzehn, hat man am Ende des Tages einen größeren Erfolg und geht mit einem viel besseren Gewissen ins Bett.
Sebastian Nelles: Viele Männer suchen ständig nach Motivation. Ist das der falsche Ansatz?
Jan-Lucas Hanke: Motivation habe ich mal mehr, mal weniger.
Aber ein Flugzeug fliegt immer weiter, da kann ich nicht sagen: Ich bin jetzt gerade nicht motiviert, ich mache später weiter. Diszipliniert zu sein ist ein Charakterzug, das bist du als Person. Motiviert sein ist nur ein Zustand – heute ja, morgen vielleicht nicht.
Jeder kann eine Woche lang Sport durchziehen, aber wirklich diszipliniert in den Dingen zu sein, die man tut, das macht den großen Unterschied.
Motivation schwankt. Systeme bleiben. Baue Routinen, die auch an schlechten Tagen funktionieren. Kleine Checklisten, klare Prioritäten und wiederkehrende Abläufe machen Fortschritt weniger abhängig von Motivation.
Sebastian Nelles: Was hat dich die Fliegerei über Verantwortung gelehrt?
Jan-Lucas Hanke: Verantwortung beginnt immer bei einem selbst.
Wenn ich übergewichtig bin, ist das meine Verantwortung!
Nicht mein Kühlschrank, nicht mein Umfeld, nicht mein Chef. Ich sage immer:
Wenn du mit einem Finger auf jemand anderen zeigst, zeigen drei auf dich zurück.
Genauso ist es als Pilot, Unternehmer und als Mann: gut vorbereitet sein, ein starkes Umfeld haben, das einen ergänzt, und selbst Verantwortung übernehmen.
Sebastian Nelles: Wie gehst du im Cockpit mit Situationen um, die nicht nach Plan laufen? Lässt sich das übertragen?
Jan-Lucas Hanke: Im Cockpit haben wir für fast jede Abweichung ein Verfahren, aber nicht für alles einen fertigen Plan. Dafür trainieren wir, ruhig zu bleiben und strukturiert zu denken, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert.
Das lässt sich eins zu eins übertragen: Es geht nicht darum, für jede Eventualität im Leben eine Checkliste zu haben, sondern darum, ein Grundsystem zu entwickeln, mit dem man auch unter Druck klar denken kann. Panik hilft im Flugzeug niemandem, und im Business hilft sie auch niemandem.

Bild: Jan-Lucas Hanke
Sebastian Nelles: Im Cockpit gibt es das sogenannte Crew Resource Management. Was kann ein Unternehmer davon lernen?
Jan-Lucas Hanke: Im Grunde geht es darum zu verstehen, dass nicht jeder alles gleich gut können muss.
Jeder Mensch in deinem Umfeld hat vielleicht eine Stärke, die dir selbst fehlt. Im Cockpit nutzen wir genau diese Ressourcen, um als Crew eine Aufgabe sicher und effizient zu bewältigen. Und genauso sehe ich das im Unternehmertum: Einer ist vielleicht stark im Videoediting, der andere im Schreiben, der nächste vor der Kamera.
Wenn du die richtigen Menschen zusammenbringst und ihre Stärken richtig einsetzt, kommst du als Team viel weiter, als wenn du versuchst, alles alleine zu machen.

Bilder: Instagram / Jan-Lucas Hanke
Sebastian Nelles: Wenn du nur eine Eigenschaft nennen müsstest, die einen erfolgreichen Mann ausmacht, welche wäre das?
Jan-Lucas Hanke: Vorbereitet zu sein.
Wenn ich nicht weiß, wie es an meinem Zielort aussieht, welche Ausweichflughäfen es gibt, wie das Wetter wird, dann wird der Flug garantiert nicht so laufen, wie ich denke.
Genauso im Unternehmertum: Habe ich ein wichtiges Gespräch, bereite ich mich darauf vor – wer sitzt mir gegenüber, was sind die Stärken und Schwächen dieser Person. Es gibt bei uns einen Satz:
Don’t fall behind the aircraft.
Du musst immer gedanklich einen Schritt vor dem Flugzeug sein, nicht hinterher.
Erfolg beginnt ebenfalls vor dem entscheidenden Moment. Bereite Gespräche vor, plane deinen nächsten Tag und denke mögliche Probleme voraus. Wer vorbereitet ist, muss unter Druck weniger improvisieren.
Sebastian Nelles: Was würdest du einem jungen Mann raten, der gerade erst anfängt, an seiner eigenen „Cockpit-Logik“ zu arbeiten?
Jan-Lucas Hanke: Klein anfangen und konsequent bleiben. Nicht gleich das ganze Leben umkrempeln, sondern eine Routine wählen, die man wirklich durchhalten kann, und die dann täglich wiederholen. Erfolg ist selten der eine große Moment, sondern die Summe aus vielen kleinen, langweiligen Entscheidungen, die man immer wieder trifft, auch wenn gerade keiner zuschaut.
Am Ende dieses Gesprächs bleibt bei Sebastian Nelles ein Eindruck hängen, der weit über die Fliegerei hinausreicht:
Cockpit-Logik ist letztlich keine Anleitung für Piloten, sondern eine Haltung, die jeder für sich übersetzen kann – im Job, im Training, in der nächsten schwierigen Entscheidung.
Ob am Steuerknüppel oder am Schreibtisch, Jan-Lucas‘ Botschaft bleibt dieselbe: Wer sich vorbereitet, Verantwortung übernimmt und dranbleibt, wenn es unbequem wird, braucht am wenigsten Motivation und kommt trotzdem am weitesten.
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Men’s Mag. In den kommenden Ausgaben
sprechen Jan-Lucas Hanke und Herausgeber Sebastian Nelles über weitere
Prinzipien aus seinem Alltag zwischen Cockpit, Business und Kamera – und
darüber, was Männer daraus für ihr eigenes Leben mitnehmen können.
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