Brad Pitt trinkt wieder! Das hat der Hollywoodstar kürzlich zugegeben.
Doch die Reaktionen zeigen alles über Männer und Sucht …
Brad Pitt, 62, hat es öffentlich zugegeben. Im Interview mit dem Magazin Esquire sagte der Hollywood-Star:
„Ich war sieben Jahre lang trocken. Und dann bin ich wieder rückfällig geworden.“
Kein Spin, kein PR-Sprech, nur ein Mann, der zugibt, dass er die Kontrolle verloren hat. Und dann wiedergefunden hat. Oder zumindest glaubt, sie wiedergefunden zu haben.
Das Internet hat sofort reagiert. Die Kommentare auf Reddit, TikTok und Twitter zeigen, wie gespalten die Gesellschaft bei diesem Thema ist und wie wenig wir als Gesellschaft wirklich über männliche Sucht, Rückfälle und Heilung verstehen.
Der Mann, der alles hat und trotzdem trinkt
Brad Pitt ist nicht irgendwer. Er ist einer der bekanntesten Männer der Welt. Reichtum, Status, Aussehen, er hat alles, was laut gesellschaftlichem Skript einen Mann „erfolgreich“ macht. Und trotzdem: Alkohol hat ihn jahrelang im Griff gehabt.
2017, ein Jahr nach der Trennung von Angelina Jolie, sprach er erstmals öffentlich über sein Trinkproblem. Er gestand damals, er könne sich seit dem College keinen einzigen Tag erinnern, an dem er nicht getrunken, gekifft oder irgendetwas genommen hatte. Er sei in Therapie, halte Abstand vom Alkohol und habe viele der Probleme in seiner Ehe selbst verschuldet.

Anderthalb Jahre verbrachte er bei den Anonymen Alkoholikern. Er kreditierte seinen Freund Bradley Cooper dafür, ihm geholfen zu haben, nüchtern zu bleiben. Sieben Jahre lang hielt er durch.
Und jetzt trinkt er wieder.
„Ein paar Gläser Wein“,
wie er sagt.
„Aber nicht zu viele. Ich muss professionell damit umgehen.“
Die gefährlichsten vier Worte: „Ich kann es kontrollieren“
Auf Reddit, im Forum r/stopdrinking, war die Reaktion vernichtend.
„Ich kann ein paar trinken“
– das sei dasselbe, was jeder Alkoholiker in der Geschichte der Menschheit sage, wenn er rückfällig werde, schrieb ein User. Ein anderer:
„Wenn du eine gesunde Beziehung zu Alkohol hättest, müsstest du nicht über Kontrolle nachdenken. Du würdest es einfach tun.“
Das trifft einen Nerv. Weil es stimmt. Und weil es gleichzeitig nicht die ganze Wahrheit ist.
Klinischer Sozialarbeiter Joe Schrank, der seit über 20 Jahren mit Süchtigen arbeitet, sagt gegenüber dem Hollywood Reporter:
„Alkoholiker sind typischerweise eine schreckliche Informationsquelle über sich selbst. Matthew Perry lief herum und roch nach Alkohol, während er behauptete, nüchtern zu sein. Aber vielleicht ist Pitt wirklich in der Lage, moderat zu trinken. Die Weltgesundheitsorganisation sagt, das ist möglich.“
Und gleichzeitig: Die WHO hat 2023 auch erklärt, dass es keine sichere Menge Alkohol gibt. Null. Für niemanden. Ein Review im medizinischen Journal Herz bestätigte: Weniger ist besser als wenig – und nichts ist besser als wenig.
Rückfall ist keine Niederlage – aber auch kein Sieg
Keith Humphreys, Psychiatrie-Professor und Suchtforscher an der Stanford University, bringt Nuance in die Debatte. Er erklärt, wer statistisch gesehen eher erfolgreich von Abstinenz zu moderatem Trinken wechseln kann:
- Geringe Abhängigkeit – wer nicht tief in der Sucht steckte, hat bessere Chancen.
- Hohes soziales Kapital – Bildung, Job, stabile Beziehungen. Pitt hat das.
- Keine schweren psychiatrischen Erkrankungen – ein entscheidender Faktor.
„Es gibt keine Garantien“,
sagt Humphreys.
„Ich wünsche ihm das Beste. Es gibt ein klares Risiko – aber es könnte handhabbar sein.“
Schrank ergänzt etwas Wichtiges:
„Recovery verläuft nicht in einer geraden Linie. Wenn jemand mit Diabetes 20 Kilo abnimmt und dann 10 wieder zunimmt, sagt man nicht: Gescheitert. Man fragt: Was machen wir jetzt?“
Das dunkelste Geständnis: Suizidgedanken
Im selben Interview mit Esquire sprach Pitt über etwas noch Dunkleres. Er beschrieb eine Periode, in der der Schmerz so „erdrückend“ war, dass er verstand, wie jemand den Tod als Erleichterung betrachten könnte. Er habe nie konkret geplant, sich etwas anzutun, aber er habe es verstanden.
Auf die Frage, ob es mit seinen Kindern zusammenhing, sagte er nur:
„Familienkram. Lassen wir es dabei.“
Mehrere seiner Kinder haben mittlerweile rechtliche Schritte eingeleitet, um den Nachnamen „Pitt“ abzulegen. Angelina Jolie hatte ihm Handgreiflichkeiten vorgeworfen. Die Ermittlungen wurden eingestellt, aber der Schaden bleibt.
Gleichzeitig klagt Pitt gegen Jolie, weil sie ihren Anteil an ihrem gemeinsamen Weingut Chateau Miraval ohne seine Zustimmung an einen Dritten verkauft haben soll. Jolie weigert sich laut aktuellen Berichten, Vertragsunterlagen über ihre Filmeinnahmen von 2017 bis 2021 herauszugeben.
Ihr Anwalt sagt, es gehe nicht ums Geld, es gehe darum, sich von einem
„kontrollierenden und missbräuchlichen Ex-Mann“
zu lösen.
Brad Pitt sagt, er habe
„in der Lotterie gewonnen“.
Und trotzdem:
„This s*** ain’t easy.“
Pitt ist KEIN Einzelfall: Conor McGregor trinkt jetzt auch wieder
Dass die Nachricht viral ging, zeigt eine kuriose Reaktion: Conor McGregor, der vor seinem Kampf gegen Max Holloway auf Alkohol verzichtet hatte, verkündete auf Social Media, dass ihn Pitts Geständnis inspiriert habe, wieder ein paar Pints seines eigenen Biers zu trinken. Er schrieb, der „Mitschauspieler“ habe ihn inspiriert.
Das ist gleichzeitig lustig und erschreckend. Weil es zeigt, wie sehr öffentliche Vorbilder das Verhalten anderer Männer beeinflussen. Für den einen besser für den anderen schlechter.
Was das alles über moderne Männer sagt
Brad Pitts Geschichte ist keine Hollywood-Geschichte. Sie ist eine Männergeschichte. Eine, die Millionen Männer kennen: ohne Paparazzi, ohne Esquire-Interview, ohne eine bekannte Spirituosen-Brand als Sponsor.
Studien zeigen: Männer sind deutlich häufiger von Alkohol abhängig als Frauen. Laut dem Robert Koch-Institut konsumieren rund 16 Prozent der Männer in Deutschland Alkohol in riskanten Mengen.
Männer suchen seltener Hilfe. Männer reden weniger über Rückfälle. Männer tragen die Last schweigend.
Und wenn ein Mann wie Brad Pitt – mit allem Geld, allem Status, aller Unterstützung der Welt – rückfällig wird, dann ist das keine Schwäche. Das ist die Realität von Sucht.
Die Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie definiert lebenslange Abstinenz als das primäre Therapieziel. Wenn das nicht möglich ist, soll Schadensminimierung angestrebt werden. Pitt versucht genau das. Ob es funktioniert, das weiß nur er.
Die harte Wahrheit
Brad Pitt hat sieben Jahre lang gekämpft. Er hat gewonnen. Dann hat er verloren. Dann hat er neu definiert, was Gewinnen bedeutet. Das ist keine Heldengeschichte. Das ist das echte Leben.
Für alle Männer, die gerade kämpfen – mit Alkohol, mit Schmerz, mit dem Gefühl, dass es zu viel wird: Rückfall bedeutet nicht Scheitern. Aber
„Ich kann es kontrollieren“
ist oft die gefährlichste Lüge, die wir uns selbst erzählen.
Wenn du oder jemand, den du kennst, in einer Krise steckt: In Deutschland erreichst du die Telefonseelsorge kostenlos unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 – 24 Stunden, 7 Tage die Woche.