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Größer als Batman: Wie Christopher Nolan mit „The Odyssey“ seine eigene Geschichte neu schreibt

Was „The Odyssey“ von anderen Blockbustern unterscheidet, ist nicht nur die Größe, sondern die Methode.
August 15, 2026
4 Minuten Lesezeit
Größer als Batman: Wie Christopher Nolan mit „The Odyssey“ seine eigene Geschichte neu schreibt
Wie Christopher Nolan mit "The Odyssey" seine eigene Geschichte neu schreibt‎. Bild: ©Universal Studios via imdb.com

Wie Christopher Nolan mit „The Odyssey“ seine eigene Geschichte neu schreibt‎‌​‌​​‌‌‌‌​‌​‌‌​​​​​​​​​​‌​‌‌​‌‌‌​‌​​‌​​‌​‌​‌‌​​‌​​​​​​​‌‌​​​​‌​​‏

Es beginnt mit Homer. Einem fast 3.000 Jahre alten Gedicht, einem griechischen König, der nach dem Trojanischen Krieg einfach nach Hause will, und einem Regisseur, der seit Jahrzehnten beweist, dass das Publikum bereit ist, ihm in die dunkelsten und kompliziertesten Ecken des Kinos zu folgen.

Vier Wochen nach dem Start von „The Odyssey“ steht Christopher Nolan an einem Punkt, den selbst Hollywood selten sieht: Sein Film hat $1,1 Milliarden eingespielt, ist Imax-Rekordhalter aller Zeiten und wird täglich größer. Und China hat noch nicht einmal angefangen.

Die Zahl, die alles verändert

Am 17. Juli kam „The Odyssey“ in die Kinos. Nach drei Wochen meldete Variety $429,65 Millionen aus Nordamerika und $578,8 Millionen aus dem internationalen Markt, zusammen gut $1,008 Milliarden. Die Milliarden-Marke war damit geknackt, bevor China überhaupt geöffnet hatte.

Christopher Nolan’s „The Odyssey“ ist nicht nur bildgewaltig, sondern auch gewaltig erfolgreich an den Kino-Kassen. Bild: ©Universal Studios via imdb.com

Das ist kein Zufall, das ist Kalkül: Imax hat mit $257 Millionen in den ersten Wochen einen Anteil beigesteuert, der jeden bisherigen Imax-Rekord pulverisiert. Zum Vergleich: „Avatar“ von 2009 hielt bis vor kurzem den Imax-Rekord mit $271 Millionen global.

„The Odyssey“ steht inzwischen bei $289,3 Millionen, laut Hollywood Reporter und Variety.

Nolans Gesamtwerk hat damit die $7-Milliarden-Marke am globalen Box Office überschritten. Drei seiner Filme haben die Milliarden-Schwelle geknackt: „The Dark Knight“ mit $1,005 Milliarden, „The Dark Knight Rises“ mit $1,085 Milliarden und nun „The Odyssey“ mit $1,1 Milliarden. „Oppenheimer“, sein Oscar-Gewinner von 2023, landete bei $975,8 Millionen und war damit knapp dran.

Die Reihenfolge ist klar: „The Odyssey“ ist Nolans größter Film, gemessen am Einspielergebnis, ohne Inflationsbereinigung.

Matt Damon als Odysseus, Imax als Medium

Was „The Odyssey“ von anderen Blockbustern unterscheidet, ist nicht nur die Größe, sondern die Methode. Es ist der erste Spielfilm, der vollständig mit Imax-Kameras gedreht wurde. Andere Produktionen nutzen Imax-Technologie für einzelne Sequenzen; Nolan hat das gesamte Werk darin gebaut.

Matt Damon spielt Odysseus auf seiner beschwerlichen Heimreise nach dem Trojanischen Krieg, neben Tom Holland, Anne Hathaway und Robert Pattinson. Für Damon, Hathaway und Pattinson ist es jeweils der kommerziell erfolgreichste Film ihrer Karriere, wie der Hollywood Reporter berichtet.

Besonders die Imax-70mm-Vorstellungen, Nolans bevorzugtes Format, erzählen eine eigene Geschichte. Laut Variety haben 41 Spielorte weltweit in diesem Format $37,5 Millionen eingespielt, also rund 14 Prozent des gesamten Imax-Umsatzes. Viele dieser Säle sind bis in den September ausverkauft. Wer also wissen will, warum Kino als Ort noch nicht tot ist, findet die Antwort in diesen Buchungskalendern.

Imax-CEO Richard Gelfond formulierte es gegenüber Variety so:

„Wir hatten von Anfang an die höchsten Erwartungen an diesen Film. Aber er übertrifft sie irgendwie weiterhin, und seine historische Performance ist der Höhepunkt dessen, was wir als unser bestes Jahr am globalen Box Office erwarten.“

Das Spielfeld: 2026 als Rekordjahr

„The Odyssey“ ist der fünfte Film des Jahres 2026, der die Milliarden-Marke erreicht hat. Vor ihm schafften es „Spider-Man: Brand New Day“ ($1,67 Milliarden), „Toy Story 5“ ($1,067 Milliarden), „The Super Mario Galaxy Movie“ ($1,001 Milliarden) und „Michael“ ($1,001 Milliarden).

Fünf Milliarden-Filme bis Mitte August: Das ist der höchste Wert seit 2019, als neun Produktionen diese Schwelle überschritten. In den Jahren nach der Pandemie hatte kein einziges Jahr mehr als drei solcher Filme hervorgebracht.

Hollywood setzt nun auf „The Odyssey“ und „Spider-Man: Brand New Day“, um den nordamerikanischen Gesamtumsatz erstmals seit 2023 wieder über $4 Milliarden zu heben. Damals waren es „Oppenheimer“ und „Barbie“, die den Markt belebten. Dass Nolan schon wieder das Zugpferd ist, sagt viel über seine Stellung in der Branche aus.

Veronika Kwan Vandenberg, Präsidentin des internationalen Vertriebs bei Universal, sagte gegenüber dem Hollywood Reporter:

„Ein singulärer Filmemacher mit der internationalen Gefolgschaft von Christopher Nolan ist einzigartig geeignet, Homers antikes Gedicht zu adaptieren, das zu den einflussreichsten und bekanntesten Geschichten der Welt gehört. ‘The Odyssey’ ist ein globales Epos, das überall beim Publikum Anklang gefunden hat.“

Der Regisseur und seine Kritiker

Nolan hat den Presserummel rund um „The Odyssey“ genutzt, um auch eine alte Rechnung zu begleichen, zumindest intellektuell. Im Gespräch mit dem Podcaster Zhong Shua, über das Variety berichtet, sprach er über das, was er als grundlegenden Fehler der Filmkritik betrachtet. Sinngemäß auf Deutsch:

„Die Kritik, die oft an Filmen geübt wird, lautet: ‘Oh, die Figur muss sympathisch gemacht werden, also wird sie auf verschiedene Weisen manipuliert oder verändert.’ Das ist gewissermaßen ein grundlegender Fehler der Filmkritik. Denn die Fähigkeit, den Mechanismus zu erkennen, macht ihn nicht ungültig.“

Er zielte dabei vor allem auf Laienkritiker, die er für besonders anfällig für diesen Reflex hält. Der Kontext ist nicht zufällig: Emily Wilson, Übersetzerin der „Odyssee“ und von Nolan selbst als Inspiration für seine Adaption genannt, veröffentlichte in der London Review of Books eine vernichtende Besprechung. Laut Variety warf sie dem Film Mängel an

„psychologischer, emotionaler, politischer und ethischer Tiefe“

vor. Die Schriftstellerin Joyce Carol Oates verteidigte Nolan daraufhin öffentlich und griff Wilson scharf an. Das Stück hat also nicht nur ein Milliarden-Publikum gefunden, es hat auch eine Debatte ausgelöst, die über Popcorn und Imax-Sessel weit hinausgeht.

Auf Rotten Tomatoes steht „The Odyssey“ bei 94 Prozent Zustimmung. Das Massenpublikum scheint Wilsons Einwände nicht zu teilen. Und mit dem China-Start am 14. August, fast 800 Imax-Screens inklusive, wird Nolans Film noch einige Wochen weiterwachsen.

Jim Orr, Präsident des Inlandsvertriebs bei Universal, brachte es gegenüber dem Hollywood Reporter auf den Punkt:

„Nolan hat das Vertrauen des Publikums verdient, indem er konsequent unverzichtbare Kinoerlebnisse geliefert hat. ‘The Odyssey’ zeigt ihn auf dem Gipfel seiner Möglichkeiten.“

Das ist Pressemitteilungs-Sprache, doch die Zahlen geben ihr recht.

Quellen: Variety, The Hollywood Reporter

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Sebastian C. Nelles

Sebastian C. Nelles ist Gründer, Herausgeber und Chefredakteur des Men's Mag. Als Geschäftsführer (CEO) der übergeordneten NELLES MEDIA ist er zudem für die strategische Leitung der hauseigenen Medien-Marken sowie für das operative Werbe-Geschäft zuständig. Er nimmt Ihre Business-Anfragen gerne entgegen.

Sebastian C. Nelles schreibt in seiner Rolle als Chefredakteur auch selbst über Themen rund um Männlichkeit, Lifestyle, Erfolg, Mode und mehr ...

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