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Junge Männer, alte Rollenbilder: Warum die Gen Z wieder konservativer denkt

Eine internationale Studie zeigt: Junge Männer vertreten häufiger traditionelle Rollenbilder als die Generation ihrer Großväter. Woher kommt dieser Wandel?
September 1, 2026
2 Minuten Lesezeit
Junge Männer, alte Rollenbilder: Warum die Gen Z wieder konservativer denkt
Foto von Vitaly Gariev auf Unsplash

Sie sind mit dem Internet aufgewachsen, kennen #MeToo und führen Genderdiskussionen in der Schule. Und trotzdem vertreten junge Männer der Generation Z weltweit traditionellere Ansichten zur Rollenverteilung als die Baby-Boomer. Eine Ipsos-Studie hat dies aufgezeigt. Doch was bedeutet das für die moderne Männlichkeit eigentlich?

Men´s Mag beschäftigt sich mit genau diesen Fragen und will Orientierung geben in einer Zeit, in der klassische Rollenbilder, gesellschaftlicher Wandel und neue Erwartungen aufeinandertreffen. Die Frage, die bleibt: Woher kommt dieser Trend, und was sind die Ursachen?

Was die Zahlen zeigen

Ipsos hat rund 23.000 Menschen in 29 Ländern befragt, darunter etwa 1.000 in Deutschland. Das Ergebnis ist eindeutig:

Fast jeder dritte Gen-Z-Mann, also ein Mann der Jahrgänge 1997 bis 2012, ist der Meinung, eine Ehefrau solle ihrem Mann immer gehorchen. Bei männlichen Babyboomern liegt dieser Wert bei 13 Prozent.

Dazu kommt ein zweiter Befund: 61 Prozent der Gen-Z-Männer finden, in Sachen Gleichstellung sei bereits genug getan worden. Bei den Boomer-Männern sind es 49 Prozent. Robert Grimm, promovierter Soziologe und Leiter der Abteilung für Politforschung bei Ipsos Deutschland, sagte:

„Das ist für mich eine der Haupterkenntnisse dieser Studie, dass die jüngere Generation eher dazu tendiert, sich gegen die Gleichstellung von Männern und Frauen zu verschreiben, als die ältere Generation.”

Identitätsdruck, Algorithmen, Konkurrenzdenken

Grimm führt die konservativeren Haltungen nicht auf ein einzelnes Phänomen zurück. Drei Faktoren spielen laut ihm zusammen.

Erstens: Identitätskonflikte. Junge Männer befinden sich in einem Spannungsfeld, in dem Männlichkeit einerseits gesellschaftlich kritisch diskutiert wird, andererseits aber klassische Erwartungen wie Wehrdienst und beruflicher Erfolg fortbestehen.

„Ich glaube, dass sich da so manch einer in einem Wertespannungsfeld befindet, das nicht so leicht zu navigieren ist”

,sagte Grimm gegenüber MDR AKTUELL.

Zweitens: soziale Medien. Digitale Plattformen belohnten laut Grimm „zugespitzte Botschaften”, von Männlichkeits-Influencern bis zu feministischen Gegennarrativen. Junge Menschen seien diesen Einflüssen besonders ausgesetzt, was Meinungsmuster innerhalb der Gen Z verfestigen könne.

Drittens: Konkurrenzdenken. Viele Gen-Z-Männer fühlten sich in direkter Konkurrenz zu Frauen um Arbeitsplätze und Status. Daraus entstehe die vermeintliche Logik:

Wenn Frauen profitieren, verliere ich.

Diese Wahrnehmung verstärke traditionelle Rollenbilder als Schutzreaktion.

Wo das Bild Risse bekommt

Die Studie zeigt auch eine auffällige Lücke zwischen persönlicher Überzeugung und wahrgenommener gesellschaftlicher Norm. In Deutschland glauben 44 Prozent der Befragten, die Gesellschaft erwarte von Frauen, dass Hausarbeit ihre Aufgabe sei. Persönlich teilen diese Ansicht aber nur 10 Prozent.

Was Menschen für sich ablehnen, schreiben sie also gleichzeitig ihrer Umgebung zu. Das ist kein Widerspruch, sondern ein Hinweis darauf, wie stark soziale Erwartungen und individuelle Einstellungen auseinanderfallen können.

Zugleich unterstützt eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung faire Arbeitsteilung bei Kindererziehung, Haushalt und Einkommen. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland im Mittelfeld, wie Grimm betont. Fortschrittlich in Teilen, aber auch hier bleiben Generationsunterschiede sichtbar.

Was das bedeutet

Grimm fasst es so zusammen:

Die Generation Z stehe unter einem „erhöhten Maskulinitäts- und Rollendruck”,

der sich direkt auf ihre Einstellungen zu Gleichstellung und Rollenverteilung auswirke.

Ob die konservativen Haltungen ein echter Rückschritt sind oder der Versuch einer verunsicherten Generation, in einer unübersichtlichen Welt Orientierung zu finden, lässt die Datenlage offen. Was die Zahlen klar zeigen: Das Rollenbild der Gen-Z-Männer ist kein Ausreißer oder ein Randphänomen. Es ist ein globales Muster, das in 29 Ländern gleichzeitig sichtbar wird. Das macht es schwer, es mit einzelnen kulturellen Eigenheiten zu erklären, und legt nahe, dass die Ursachen tiefer liegen als ein paar populäre Influencer.

Wie Mens Mag hier ansetzt

Genau an diesem Punkt stellt sich die Frage, wie Männer heute Orientierung finden können. Zwischen sozialen Medien, widersprüchlichen Erwartungen und unterschiedlichen Vorstellungen davon, was Männlichkeit eigentlich bedeutet, fehlt es oft an Einordnung.

Mens Mag möchte hier einen Kompass bieten: mit Themen rund um Männlichkeit, Beziehungen, Karriere, Selbstentwicklung und gesellschaftliche Veränderungen – ohne Männern ein bestimmtes Rollenbild vorzuschreiben. Denn Orientierung bedeutet nicht, fertige Antworten zu liefern, sondern dabei zu helfen, die richtigen Fragen zu stellen und den eigenen Weg zu finden.

Quellen: MDR AKTUELL, Merkur, Ipsos

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