70. Eurovision Song Contest: Sarah Engels zeigte Starqualität
Der ESC selbst hingegen zeigte einmal mehr seine Krise
Ein Kommentar über einen aus musikalischer Sicht in weiten Teilen skurrilen 70. Eurovision Song Contest, über eine beeindruckende Sarah Engels und über einen weltweit einzigartigen Wettbewerb, der einst für Völkerverständigung durch Musik stand, sich inzwischen jedoch in vielen Bereichen selbst verloren zu haben scheint.
Groteske Polit-Show statt musikalischer Wettbewerb? Der Eurovision Song Contest am Wendepunkt
Der Eurovision Song Contest wollte einst Nationen durch Musik verbinden: Unabhängig von Politik, Ideologien oder kulturellen Grenzen. Heute jedoch stellt sich zunehmend die Frage, ob der ESC diesem Anspruch überhaupt noch gerecht wird. Statt musikalischer Qualität dominieren immer häufiger politische Botschaften, schrille Inszenierungen und künstlerisch fragwürdige Beiträge eine Veranstaltung, die sich zunehmend von ihrer ursprünglichen Idee entfernt.

Es ist der 16. Mai 2026 und ESC-Finale in Wien: Die Siegerin heißt Dara.
Die bulgarische Sängerin gewann am Samstag den 70. Eurovision Song Contest mit ihrer Party-Hymne „Bangaranga“ und holte damit den ersten ESC-Titel in der Geschichte ihres Landes. Für Deutschland war es ein Abend mit Licht und Schatten zugleich: Sarah Engels lieferte als deutsche Vertreterin einen Auftritt ab, auf den das Land stolz sein kann. Sarah kam aber unverdienterweise nur auf den 23. Platz. Der Wettbewerb selbst dagegen kämpft mit einer Identitätskrise, die lauter wird als jede schrille Show auf seiner Bühne.
Sarah Engels repräsentierte Deutschland mit selbstbewusstem Auftreten, starker Choreografie und Starqualität
Aus den gerade genannten Gründen war der deutsche Beitrag von Sarah Engels eine der wenigen positiven Überraschungen des Wettbewerbs.
Unabhängig von ihrer Platzierung hat Sarah bewiesen, was einen echten Star ausmacht: Präsenz, Charisma, Professionalität und Ausstrahlung. Sarah Engels lieferte eine Performance ab, die international absolut konkurrenzfähig war. Sie repräsentierte Deutschland mit selbstbewusstem Auftreten, starker Choreografie und einer starken Bühnenpräsenz, die man nicht lernen kann, sondern besitzt.

Dabei glänzte sie auf und abseits der Bühne: Sarah Engels trug bei der Eröffnungsgala des Eurovision Song Contest in Wien ein „feuriges Flammenkleid“ von der Berliner Designerin Jasmin Erbas.

Die auffällige, rote Robe wurde vom Film „Die Tribute von Panem“ und ihrem Song „Fire“ inspiriert, wie die GALA schreibt.

Sarah Engels und ihr Song „Fire“
Auch ihr Song wurde von vielen Kritikern unterschätzt. Ja, er war kein experimentelles Kunstwerk und keine musikalische Revolution.
Aber genau darin lag seine Stärke: Er war moderner, eingängiger Pop mit Ohrwurmcharakter. „Fire“ ist ein Song, der Spaß gemacht hat, im Kopf geblieben ist und hervorragend performt wurde. Popmusik muss nicht kompliziert sein, um gut zu sein. Im Gegenteil: Gute Popmusik erkennt man oft daran, dass sie sofort funktioniert und genau das tat Sarah Engels mit ihrer „Fire“-Performance.

Hinzu kommt: Für deutsche Acts ist der ESC längst kein risikofreier Auftritt mehr. Kaum ein anderes Land geht mit einer vergleichbaren Gefahr auf diese Bühne, sich insbesondere im eigenen Land aufgrund der praktisch vorprogrammierten schlechten Platzierung zu blamieren oder zum politischen Spielball eines zunehmend schwer nachvollziehbaren Wettbewerbs zu werden.
Umso höher ist Sarah Engels’ Leistung einzuschätzen. Sie hätte es als national etablierte Künstler-Persönlichkeit eigentlich nicht nötig gehabt, sich diesem Risiko auszusetzen – und tat es trotzdem.
Mit Haltung, Professionalität und Würde repräsentierte sie Deutschland hervorragend und vermittelte international ein modernes, sympathisches und selbstbewusstes Bild unseres Landes.
Wir sagen im Namen der gesamten Men’s Mag®-Redaktion:
„Danke Sarah! Du hast uns stark, sympathisch und selbstbewusst repräsentiert! Wir sind stolz auf dich und du kannst es auch sein!“

„Auch wenn die Punktevergabe beim ESC wie immer ihre eigenen Gesetze hat und es am Ende Platz 23 geworden ist: Dieser Auftritt war absolute Spitzenklasse!
Wir haben jede Sekunde mitgefiebert! Danke, Sarah, für deinen Mut, deine Leidenschaft und deinen Einsatz in den letzten Wochen! ❤️“
Bild: Via Instagram @eurovision_de
Sarah Engels: Schlechte ESC-Platzierung, aber großer Social-Media-Publikumserfolg
Besonders bemerkenswert ist dabei, dass Sarah Engels trotz ihrer enttäuschenden Platzierung im Netz enorme Aufmerksamkeit erzeugte. Ihre Auftritte und Videos gehörten zu den meistgeklickten des gesamten Wettbewerbs – lediglich das Gewinner-Video erzielte noch höhere Abrufzahlen.
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Der deutsche Beitrag „Fire“ von Sarah Engels wurde zwar nur 23. im Finale des ESC, gehörte online jedoch zu den erfolgreichsten Auftritten des gesamten Wettbewerbs. Laut Medienberichten wurden ihre Videos und Performances (fast 10 Millionen Views alleine auf Instagram) mit am häufigsten geklickt.
Auch international wurde Sarah Engels’ Bühnenpräsenz positiv hervorgehoben. Mehrere ESC-Portale beschrieben „Fire“ als modernen, energiegeladenen Synth-Pop-Song mit starker Inszenierung und professioneller Performance.
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Besonders auffällig:
- Deutschland erhielt nur 12 Jurypunkte.
- Vom Publikum gab es unbegreiflicherweise gar keine Punkte.
- Dennoch entwickelte sich der Song online zu einem Klick-Hit und erreichte darüber hinaus immerhin den 27. Platz in den deutschen Single Charts.
Das stützt genau die Kritik vieler Zuschauer: ESC-Ergebnisse spiegeln längst nicht mehr automatisch musikalische Qualität oder Publikumsgeschmack wider.
Da fragen wir uns:
„Wie kann das sein und was zählt dann überhaupt bei diesem Wettbewerb, wenn nicht die Beliebtheit eines Songs?“
Fakt ist: Die Musik scheint beim ESC (wenn überhaupt) nur noch zweitrangig zu sein.
Gleichzeitig offenbart der Wettbewerb ein grundsätzliches Problem.
Dass eine stolze Musik- und Kulturnation, wie das Vereinigte Königreich, welches Weltstars, wie Elon John, die Rolling Stones, die Beatles, Robbie Williams und viele weitere hervorbrachte, seit Jahren regelmäßig mit fragwürdigen Beiträgen antritt und eigentlich immer auf den hinteren Plätzen landet, zeigt, wie wenig der ESC inzwischen noch mit klassischer musikalischer Qualität zu tun hat.
Natürlich gab es auch in diesem Jahr einzelne starke und künstlerisch überzeugende Beiträge. Zum Beispiel überzeugte Italien mit dem Song „Per sempre sì“ durch klassische musikalische Authentizität,
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Australien lieferte dem Publikum mit „Eclipse“ starke Live-Vocals und eine hochwertige Pop-Produktion.
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Auch Polen überzeugte musikalisch mit der Gospel-inspirierte Performance zum Song „Pray“.
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Doch viele andere wirkten eher grotesk, überinszeniert oder schlicht beliebig. Nur ein Beispiel für Ersteres (UK):
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Der Eurovision Song Contest steht deshalb an einem Wendepunkt: Will man wieder ein Musikfestival sein, das Menschen verbindet und starke Songs feiert? Oder bleibt der ESC eine zunehmend politische und skurrile Showveranstaltung, bei der Musik oft nur noch Nebensache ist? Genau diese Frage muss sich der Eurovision Song Contest in Zukunft stellen. Und auch Deutschland muss sich als Teilnehmer-Nation fragen, wie es dem, naja, nennen wir es mal „Spektakel“, in Zukunft „künstlerisch“ begegnen will. Sofern sich zukünftig überhaupt noch ein Musiker finden lässt, der sich freiwillig für das Theater zur Verfügung stellt.
Denn der ESC als seriöser „Musik“-Wettberwerb selber verliert sich zunehmend.
Obwohl die Idee eines Europäischen Musik-Wettbewerbes mit dem Ziel der Völkerverständigung durch (gute) Musik wirklich herausragend und in dieser Form weltweit einzigartig ist, wird die Umsetzung immer fragwürdiger.

Nach Ansicht vieler Beobachter braucht es heute vor allem:
- maximale visuelle Auffälligkeit,
- politische Bedeutung,
- starke Symbolik,
- Provokation,
- schrille Bühnenbilder.
Was dagegen oft zu kurz kommt:
- echte musikalische Substanz,
- klassische Songqualität,
- authentische Künstlerpersönlichkeiten,
- nachhaltige Popmusik.
70. Eurovision Song Contest in Wien: Dara triumphiert, Sarah Engels überzeugt
Nun, wie lautete das Resultat des 70. ESC-Jubiläum in Wien?
Mit 516 Punkten setzte sich Dara klar gegen 24 Mitbewerberinnen und Mitbewerber durch. Platz zwei ging an Noam Bettan aus Israel mit 343 Punkten, Platz drei an Rumäniens Alexandra Capitan nescu mit dem Rock-Track „Choke Me“.
Sarah Engels reihte sich mit ihrem Beitrag für Deutschland in ein Feld ein, das laut Berichten von weiblichen Solistinnen dominiert wurde, darunter Künstlerinnen aus Polen, der Ukraine, Schweden und Frankreich. Dass Engels in diesem Umfeld bestehen und Deutschland würdig vertreten konnte, ist keine Selbstverständlichkeit. Dass sie mit „Fire“ nur den 23. Platz belegte, sagt jedenfalls nichts über die Qualität ihrer Performance aus, sondern viel mehr über den Wettbewerb selbst.
Der ESC ist bereits seit Jahren kein freundliches Pflaster für den deutschen Beitrag, und wer dort mit Haltung und Können auftritt, verdient Anerkennung, unabhängig vom Endergebnis. Engels hat genau das geliefert.
Die ESC-Gewinnerin „Dara“ und die Kraft des „Bangaranga“
Die 27-jährige Dara war vor dem Finale nicht unter den Top-Favoritinnen gehandelt worden. Ihr Sieg ist damit einer jener ESC-Momente, die den Wettbewerb seit sieben Jahrzehnten am Leben halten. Eurovision-Historiker Dean Vuletic brachte es auf den Punkt:
„Eurovision war nie wirklich ein Wettbewerb für große Stars. Die Leute wollen den Underdog auf der Bühne sehen. Den Künstler, der noch im Werden ist, oder einen Künstler aus einem kleineren, ärmeren Land.“
Dara passt in dieses Bild. Ihre Performance war inspiriert von der bulgarischen Kukeri-Tradition, bei der aufwendig kostümierte Tänzer böse Geister vertreiben sollen.
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Und „Bangaranga“ als Song steht für eine innere Kraft, die Menschen helfen soll, aufzuhören, Perfektion zu jagen. Nach eigener Aussage hat Dara offen über ihre Kämpfe mit Angstzuständen gesprochen.

Beim Pressekonferenz-Auftritt nach der Show sagte sie schlicht:
„Das ist unglaublich. Ich weiß nicht mal, was gerade passiert.“
Der Sieg für „Bangaranga“ geht in Ordnung, wie wir finden. Dara hat als Gesamtkunstwerk im Gegensatz zu einigen anderen Acts des diesjährigen ESC definitiv etwas dargeboten, was positiv im Kopf bleibt.
Der Eurovision Song Contest: Ein Wettbewerb, der sich selbst im Weg steht
So verrückt der musikalische Teil des Abends in Teilen war, so deutlich zeigt der ESC 2026 in Wien, dass der Wettbewerb an einem Scheideweg steht.
Mehrere Länder, darunter Spanien, die Niederlande, Irland, Island und Slowenien, boykottierten die Veranstaltung aus Protest gegen Israels Teilnahme angesichts des Konflikts in Gaza. Vor der Halle demonstrierten Hunderte Menschen, pro-palästinensische Gruppen organisierten ein Gegenkonzert unter dem Motto „No stage for genocide“.
Vier Personen wurden in der Woche vor dem Finale entfernt, nachdem sie angeblich versucht hatten, Bettans Halbfinale zu stören. Congolese-österreichischer Künstler Patrick Bongola, einer der Protest-Organisatoren, sagte: „Israel auf einer so wunderschönen Bühne wie dem Eurovision Song Contest willkommen zu heißen, ist ein Affront gegen alle Menschen, die an die Menschlichkeit glauben, an Liebe und Zusammengehörigkeit.“
Das sind keine kleinen Randnotizen. Das ist der Rahmen, in dem der ESC zunehmend stattfindet. Und dieser Rahmen verdrängt die Musik.
Wer sich erinnert, was den ESC einmal groß gemacht hat, nämlich die pure, manchmal absurde, immer aufrichtige Liebe zur Popmusik sowie die Idee der Völkerverständigung durch Musik stand, der spürt, wie viel davon gerade verloren geht.
Serbische Metal-Bands, moldauischer Folk-Rap, britischer Novelty-Act mit einem Punkt auf dem Scoreboard: Das Spektrum ist da. Aber das Gespräch davor und danach dreht sich nicht mehr um Musik. Es dreht sich um Geopolitik, Boykotte, Protestmärsche und bestenfalls um skurrile Musik. Der ESC verliert seinen Kern, Schritt für Schritt.
Wir sind jedenfalls überzeugt: Sarah Engels hat in Wien alles gegeben, was sie geben konnte. Das verdient Respekt, ohne Wenn und Aber.

Der Wettbewerb, der einst als musikalisches Highlight des Jahres mit starken Beiträgen galt, muss sich dringend fragen, was er eigentlich noch sein will: eine Musikshow oder ein politisches Forum. Beides gleichzeitig funktioniert auf Dauer nicht. Nach 70 Jahren ESC wäre es Zeit, diese Frage ehrlich zu beantworten.
Wir vermuten aber, dass der ESC zukünftig wahrscheinlich noch verrückter, noch politischer und noch weniger ertragbar sein wird. Leider.
Wie siehst du das?
Folge uns für mehr Insights aus Entertainment, Popkultur, Sport & Lifestyle.