Wie steht es um die WM Teilnahme von Jamal Musiala?
Das Grinsen war da, die Mütze saß, die Handschuhe auch. Beim öffentlichen Training an der Säbener Straße machte Jamal Musiala Passübungen mit Alphonso Davies und signierte Autogramme. Wer nur die Bilder sah, hätte kaum geahnt, wie eng der Korridor ist, durch den der 23-Jährige gerade läuft.
Mehr als zehn Monate nach der bei der Klub-WM erlittenen Sprunggelenkverletzung ist Musiala noch immer nicht topfit. Und die Zeit, das zu ändern, wird mit jeder Woche knapper.
Nur wenige Wochen bis zur finalen Kaderliste und bis zur WM-Vorbereitung bleiben
Bundestrainer Julian Nagelsmann gibt seinen finalen WM-Kader in wenigen Wochen bekannt. Die Vorbereitung auf das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada beginnt ebenfalls in kürze, das erste Gruppenspiel gegen Curacao am 14. Juni in Houston ist der härteste Fixpunkt.
Nagelsmann hat die Lage klar benannt: Musiala habe
„nicht mehr so viel Zeit, das steht außer Frage.“
Gleichzeitig sei die Hoffnung „groß“, dass er zum Turnierstart voll da ist. Beides stimmt, und beides passt schlecht zusammen.
Was Musiala vor allem braucht, ist Spielpraxis. Nicht Trainingseindrücke, nicht Aufbauarbeit, sondern echte Minuten unter Wettkampfbedingungen. Genau die sind in den kommenden Wochen schwer zu bekommen, denn der FC Bayern steuert auf die dichteste Phase seiner Saison zu.
Crunch Time ohne Musiala als Stammkraft
Im April stehen die Champions-League-Duelle mit Real Madrid an, am 7. und am 15. April. Dazu kommt das DFB-Pokal-Halbfinale bei Bayer Leverkusen. In diesen Partien eine tragende Rolle für Musiala zu erwarten, wäre nach seinem jüngsten Rückschlag Mitte März unrealistisch. Vincent Kompanys Offensivmaschinerie läuft in dieser Saison auch ohne ihn.
Das ist das Paradox, in dem Musiala steckt: Der Klub braucht ihn nicht dringend genug, um ihn in den größten Spielen zu riskieren, und er selbst braucht diese Spiele, um wieder der Spieler zu werden, den der Klub und die Nationalmannschaft kennen.
Der realistischere Weg führt über die Bundesliga bzw. über den FC Bayern. Weil der FC Bayern solide vorzeitig Meister wurde, konnte Kompany in der Liga stärker rotieren. Musiala hatte dort Raum, Minuten zu sammeln, ohne dass jeder Fehler sofort in die K.o.-Runde der Champions League fiel. Nach dem umkämpften und bitteren Halbfinal-Aus gegen PSG, stellt sich die Frage nach dem CL-Finale für Musiala nun nicht mehr.
Vor dem Rückschlag Mitte März hatte er bereits aufsteigende Form gezeigt und Ansätze seines Topniveaus erkennen lassen. Sportdirektor Christoph Freund sagte zuletzt, Musiala sei
„auf einem richtig guten Weg“
, stabil und freue sich auf die nächsten zwei, drei Monate.
Wo das Argument seine Grenzen hat
Das Eröffnungsspiel findet am 11. Juni um 21 Uhr deutscher Zeit in Mexiko City statt. Heißt: Knapp ein Monat genau das Zeitfenster, das bis zum WM-Start bleibt. Wer Freunds Worte optimistisch liest, hört eine Rückkehr in Sichtweite. Wer sie nüchtern liest, hört einen Funktionär, der Erwartungen managt.
Denn zwischen „stabil“ und „hundert Prozent fit“ liegt im Spitzenfußball oft mehr als eine Trainingseinheit.
Nagelsmann hat nach den Testspielen gegen die Schweiz und Ghana das Dilemma offen ausgesprochen:
„Wir würden uns alle unglaublich freuen, wenn er fit wird, schnell wieder da ist und die WM spielen kann. Aber er muss einfach hundert Prozent gesund sein. Wenn er einigermaßen in der Spur ist, gibt es wenige Trainer auf der Welt, die auf ihn verzichten.“
Das ist keine Garantie, das ist eine Einladung mit Bedingungen.
Was daraus folgt
Beide Seiten, Bayern und DFB, betonen, dass Musiala für die mittel- und langfristige Zukunft zu wichtig ist, um ihn unter Druck zu setzen. Das stimmt, und es ist auch die einzig vernünftige Haltung.
Aber es ändert nichts daran, dass der Zeitplan real ist. Wer in Houston gegen Curacao in der Startelf stehen will, muss vorher Wochen mit echten Spielminuten hinter sich haben, nicht nur gute Trainingseindrücke an der Säbener Straße.
Die Bundesliga-Rotationsphasen der Bayern sind Musialas bestes Argument. Wenn Musiala bis dahin ohne Rückschläge, ohne neue Sprunggelenk-Probleme und solider Leistung spielt, dann ist ein Kaderplatz für die WM realistisch. Wenn nicht, wird Nagelsmann einen der schwierigsten Kaderplätze seiner Amtszeit vergeben müssen, und Musiala wird zuschauen.
Das Grinsen an der Säbener Straße war echt. Die Frage ist, ob es zur finalen Kader-Bekanntgabe noch gilt.
Folge uns für mehr Insights aus Sport & Lifestyle.





