Die Highlights der Met Gala 2026 mit dem Motto: „Fashion is Art!“
So setzten sich Sabrina Carpenter, Heidi Klum und The Rock auf der Met Gala 2026 in Szene
Met Gala 2026: Wenn Mode zum Gesamtkunstwerk wird
Es ist kurz nach Einbruch der Dunkelheit, als Josh Henry auf den Stufen des Metropolitan Museum of Art zu Whitney Houstons „I Wanna Dance With Somebody“ ansetzt – und Anna Wintour, sonst das Inbild kühler Beherrschung, sich leicht von Seite zu Seite wiegt. Neben ihr schwingt Nicole Kidman in rotem Pailletten-Chanel, dahinter glitzert Lauren Sánchez in einem marineblauen Dekolleté-Kleid, das einem Skandalgemälde des 19. Jahrhunderts entlehnt ist. Willkommen zur Met Gala 2026 – einem Abend, an dem das Motto „Fashion Is Art“ nicht Dresscode, sondern Programm war.
Fashion is Art: Ein Motto, das wörtlich gemeint ist
Seit 1948 öffnet das Metropolitan Museum of Art am ersten Montag im Mai seine Türen für die glamouröseste Nacht des Jahres. 2026 kuratierte Andrew Bolton die neue Costume-Art-Ausstellung, die bis zum 10. Januar 2027 läuft und die Frage stellt, ob das bekleidete Körper nicht selbst museales Objekt sein kann. Die Antwort lieferten die Gäste auf dem roten Teppich – oder vielmehr: auf dem grünen Teppich, der sich die Stufen hinaufzog. Lead-Sponsoren des Abends waren Jeff Bezos und Lauren Sánchez Bezos, zusätzlich unterstützt von Saint Laurent und Condé Nast. Co-Chairs: Beyoncé, Nicole Kidman, Venus Williams – und eine schwingende Anna Wintour.
Sabrina Carpenter: Filmgeschichte am Körper

Für ihren Auftritt auf dem Teppich wählte die sie ein maßgefertigtes Dior-Tüllkleid mit tiefem Schlitz von Jonathan Anderson. Eine Hommage, an den Kult-Film, der ihren Vornamen als Titel hat. Bild: Instagram / @Dior
Wer an diesem Abend besonders viel Aufmerksamkeit auf sich zog, war Sabrina Carpenter – und das gleich mehrfach. Für ihren Auftritt auf dem Teppich wählte die „Manchild“-Sängerin ein maßgefertigtes Dior-Tüllkleid mit tiefem Schlitz von Jonathan Anderson. Das Besondere: Der gesamte Körper war in Rhinestone-besetzte Filmstreifen gewickelt, die Szenen aus Audrey Hepburns Film Sabrina von 1954 zeigten – inklusive ihrer Filmpartner Humphrey Bogart und William Holden, für alle, die nah genug heranzoomen. Eine Hommage, die ihren Vornamen als Ausgangspunkt nimmt und daraus Couture-Poesie destilliert.

Carpenter ist in diesem Jahr nicht nur Gast, sondern Mitglied des Host-Komitees – gemeinsam mit Teyana Taylor, Doja Cat, Lisa, Misty Copeland und rund einem Dutzend weiterer Namen. Außerdem hat sie gerade Coachella geheadlinet, genau wie sie es 2025 angekündigt hatte. Vier Met-Gala-Auftritte, vier vollkommen verschiedene Looks: 2022 ein goldenes Rabanne-Bikini-Top mit Hochtaillenrock, 2024 ein schwarzes Oscar-de-la-Renta-Meerjungfrauenkleid mit blauer Schleppe, 2025 ein Louis-Vuitton-Nadelstreifen-Bodysuit. „My look for every year has been totally different,“ sagte sie gegenüber Vogue – und meinte es ernst.
Zwei Outfitwechsel und ein Duett mit einer Legende

Im Innern des Museums legte Carpenter dann vollends los. Für ihren Auftritt – bei dem sie unter anderem „House Tour“ und „Espresso“ performte – erschien sie in einem Versace-Tributkleid aus der Frühjahrskollektion 2018, das Andy-Warhol-Siebdrucke von Marilyn Monroe und James Dean trug. Gianni Versace hatte diese Prints ursprünglich für seine Pop-Art-Kollektion Frühjahr 1991 entwickelt. Den zweiten Wechsel vollzog sie in ein goldfarbenes, fransenverziertes Bob-Mackie-Kleid – eine Silhouette, die an das Vintage-Mackie-Stück erinnerte, das sie beim Afterparty-Circuit des Vorjahres getragen hatte. Begleitet wurde sie bei diesem Doppelauftritt von Stevie Nicks. Old Hollywood trifft Rock-Olymp: ein Moment, der den Abend definierte.

Anna Wintour tanzt – und übergibt das Zepter
Dass Anna Wintour sich auf dem grünen Teppich von der Musik mitreißen ließ, war keine Kleinigkeit. Die 76-Jährige, die den Posten der Chefredakteurin der amerikanischen Vogue nach 37 Jahren 2025 an Chloe Malle abgegeben hatte, erschien in einer türkis-schwarz bestickten Chanel-Robe mit passendem Federbolero – dazu Signature-Sonnenbrille und schwarze Riemchensandaletten. Als Global Editorial Director von Vogue und Chief Content Officer von Condé Nast überwacht sie weiterhin Publikationen von Vanity Fair bis WIRED. „I find that my greatest pleasure is helping the next generation of impassioned editors storm the field,“ hatte sie bei ihrer Rollenübergabe erklärt. Chloe Malle, die als frisch installierte Head of Editorial Content ebenfalls im Host-Komitee sitzt, beschrieb Wintour als Mentorin „just down the hall.“
Lebende Skulpturen und polynesische Codes
Heidi Klum lieferte einen der konzeptuell dichtesten Looks des Abends. Designer Mike Marino kleidete sie in ein maßgefertigtes Ensemble aus Latex und Spandex, das den Eindruck gemeißelten Marmors erzeugte – inspiriert von Giuseppe Sammartinos „Verschleiertem Christus“ und Raffaele Montis „Verschleierter Vestalin.“ Eine lebende Skulptur, die das Motto buchstäblich am Körper trug.

Dwayne Johnson erschien im Rock auf der Met Gala 2026
Dwayne Johnson wiederum erschien in einem schwarzen Mohair-Frackoberteil von Thom Browne – kombiniert mit einem passenden Faltenrock. An der Hand seiner Frau Lauren Hashian erklärte er, der Look sei teilweise von der polynesischen Kultur inspiriert. Kein Widerspruch in sich, sondern ein Statement: Maskulinität lässt sich neu verhandeln, auch auf den berühmtesten Stufen New Yorks.

Dwayne „The Rock“ Johnson hat somit auf der diesjährigen Met Gala nicht einfach nur einen der spektakulärsten Looks des Abends getragen, er lieferte gleichzeitig eines der interessantesten Statements über moderne Männlichkeit und Fashion-Kultur. Dwayne verwandelte den roten Teppich im Metropolitan Museum of Art in eine Mischung aus Kunstperformance, Couture-Schau und kulturellem Statement.
Besonders spannend war allerdings, wie offensiv Johnson selbst über die Bedeutung seines Looks sprach. Auf dem roten Teppich erklärte er, dass der Rock bewusst an traditionelle polynesische Lavalavas angelehnt sei. „In unserer polynesischen Kultur tragen Männer Lavalavas, wir tragen Röcke“, sagte Johnson vor Reportern.
„Die maskulinsten Männer tragen Lavalavas und Röcke.“
Damit machte er klar, dass der Look nicht als Provokation gedacht war, sondern als kulturelle Referenz und Erweiterung klassischer Männermode.
Noch interessanter wurde seine Erklärung zur symbolischen Bedeutung des Designs selbst. Gegenüber Vogue beschrieb Johnson die Thom-Browne-Kreation als Darstellung „des Kontrasts zwischen dem sterblichen und dem unsterblichen Körper“. Genau dieses Spannungsfeld zog sich durch die gesamte Met Gala 2026, deren Ausstellung „Costume Art“ die Beziehung zwischen Körper, Identität und Mode untersuchte.
Internationale Medien reagierten entsprechend begeistert. GQ sprach von einem „gender-subverting tailoring moment“, während zahlreiche Fashion-Portale hervorhoben, dass Johnson einer der wenigen Stars des Abends war, der das Motto wirklich interpretierte statt nur luxuriös auszusehen. Besonders gefeiert wurde, dass ein Mann mit Johnsons Körperbau und öffentlicher Persona bereit war, modische Grenzen sichtbar zu verschieben. Seine langjährige Stylistin Ilaria Urbinati erklärte sogar, dass genau das Teil der Idee gewesen sei: größere, muskulöse Männer stärker in die moderne Fashion-Welt einzubinden.
Ein weiterer Gesprächspunkt des Abends war Johnsons absurd luxuriöse Uhr: die Jacob & Co. Billionaire III im Wert von rund 3,3 Millionen Dollar. Das Modell war mit 714 Diamanten und insgesamt 129,61 Karat besetzt und gehörte zu den teuersten Accessoires des gesamten Abends.

Ein weiterer Hingucker auf dem Red Carmet: Das sudanesisch-amerikanische Model Anok Yai trat als lebende Statue der Schwarzen Madonna auf – ein Symbol für Schutz und Mitgefühl, bis in die Haarspitzen durchdacht: Eine Perücke imitierte das Haar einer Steinfigur, tiefen Tränen liefen per Make-up über ihr Gesicht. Ein Look, der über Ästhetik hinausweist.
Bad Bunny sieht auf der Met Gala 2026 überraschen alt aus
Bad Bunny hat bei der Met Gala 2026 nicht einfach nur einen Look getragen, er inszenierte eine komplette Idee. Während viele Stars auf dem roten Teppich mit maximalem Glamour, Diamanten und spektakulären Couture-Silhouetten erschienen, entschied sich der Puerto-Ricaner für etwas deutlich Radikaleres: Er kam als gealterte Version seiner selbst. Mit grauen Haaren, realistischen Falten, künstlich gealterter Haut, Gehstock und schwarzem Maßanzug wurde sein Auftritt zu einem der meistdiskutierten Momente der gesamten Gala. Und genau deshalb passte er perfekt zum diesjährigen Motto „Fashion Is Art“.

Schon in den ersten Minuten nach seinem Auftauchen dominierte Bad Bunny sämtliche Fashion-Feeds, TikTok-Clips und Modeportale. Der Look wirkte nicht wie ein typisches Celebrity-Outfit, sondern eher wie eine Performance-Kunstinstallation zwischen Hollywood-Prosthetics, Avantgarde-Mode und gesellschaftlichem Kommentar. Internationale Magazine wie Vogue, GQ und Vanity Fair bezeichneten den Auftritt als einen der intelligentesten und mutigsten Momente des Abends.
Das Faszinierende daran: Hinter der scheinbar simplen Idee steckte enorme Detailarbeit. Für die Transformation arbeitete Bad Bunny mit dem legendären Prosthetics-Künstler Mike Marino zusammen, der bereits für Filme wie The Batman oder The Irishman verantwortlich war. Wochenlang wurden Gesichts-Scans, Silikonformen und handmodellierte Hauttexturen entwickelt, um eine glaubwürdige Version eines 80-jährigen Bad Bunny zu erschaffen. Marino erklärte später, man habe bewusst keinen „gebrochenen alten Mann“ erschaffen wollen, sondern einen würdevollen, eleganten älteren Künstler – als Gegenentwurf zur Jugendobsession der Modeindustrie.
Rihanna und A$AP Rocky auf der Met Gala 2026 endgültig nicht mehr nur Gäste
Wenn die Met Gala jedes Jahr ihre eigenen Monarchen kürt, dann waren Rihanna und A$AP Rocky 2026 endgültig nicht mehr nur Gäste – sondern das stilistische Machtzentrum des gesamten Abends. Kaum ein anderes Paar verkörperte das diesjährige Motto „Fashion Is Art“ so konsequent wie die beiden. Während viele Stars mit spektakulären Looks auffallen wollten, wirkten Rihanna und Rocky eher wie eine sorgfältig kuratierte Ausstellung über moderne Celebrity-Kultur, Luxusmode und Attitude. Ihr gemeinsamer Auftritt war nicht einfach ein Red-Carpet-Moment, sondern ein Statement über Macht, Stil und kulturellen Einfluss.

Schon Stunden vor ihrem Erscheinen wartete das Internet praktisch auf „den Rihanna-Moment“. Dass die Sängerin traditionell spät kommt, gehört mittlerweile zur Met-Gala-Mythologie. Doch genau dieses kalkulierte Timing verstärkte den Effekt erneut. Als Rihanna schließlich gemeinsam mit A$AP Rocky die Stufen des Metropolitan Museum betrat, dominierte das Paar innerhalb weniger Minuten sämtliche Fashion-Feeds und internationalen Titelbilder. Vogue bezeichnete die beiden anschließend als „Fashion’s Royal Couple“ – ein Titel, der mittlerweile weniger Übertreibung als Tatsache ist.
Rihannas Look war dabei pure Hochglanz-Dramatik. Gemeinsam mit Maison Margiela und Creative Director Glenn Martens entstand ein Outfit, das laut Vogue von mittelalterlicher flämischer Architektur, Art-Déco-Elementen und futuristischer Couture inspiriert war. Das Kleid bestand aus duchess silk, recycelten Metallfäden, antiken Ketten und mehr als 115.000 Kristallperlen. Allein die Stickereien sollen über 1.300 Arbeitsstunden benötigt haben. Dazu kamen massive Schmuckstücke, metallische Beauty-Elemente und ein beinahe skulpturaler Kopfschmuck, der den gesamten Look wie eine Mischung aus Königin, Kunstfigur und Science-Fiction-Ikone wirken ließ.
Besonders auffällig war die Art, wie Rihanna das Outfit trug. Viele Stars wirken bei der Met Gala, als würden sie ihre Looks präsentieren. Rihanna dagegen bewegt sich darin, als gehöre ihr die Veranstaltung. Genau diese Ruhe und Selbstverständlichkeit machten ihren Auftritt so dominant. Beauty-Magazine beschrieben ihren Metallic-Look bereits wenige Stunden später als Trendvorlage für den kommenden Sommer, während Social Media von der „Metallic Gala“ sprach, weil Rihanna den visuellen Ton des Abends praktisch vorgab.
A$AP Rocky entschied sich dagegen für eine völlig andere Form von Luxus. Statt maximaler Opulenz setzte er auf entspannte Eleganz mit subtilem Fashion-Wissen. Sein rosafarbener Chanel-Mantel mit schwarzen Satin-Details, kombiniert mit lockerem Tailoring, wirkte wie eine moderne Interpretation von Harlem-Luxus und französischer Couture gleichzeitig. Entworfen wurde der Look von Chanel-Designer Matthieu Blazy. Dazu trug Rocky mehrere Chanel-High-Jewelry-Pieces und diamantbesetzte Ketten, die laut GQ perfekt zwischen Rap-Star-Ästhetik und High-Fashion changierten.
Gerade diese Kombination machte den gemeinsamen Auftritt so stark.
Die Met Gala 2026 war mehr als nur Fashion
Die Met Gala 2026 war mehr als eine Parade außergewöhnlicher Roben. Sie war der Beweis, dass Mode als Ausdrucksmittel komplexer, politischer und kunsthistorisch informierter geworden ist – und dass das Publikum es auch so liest. Sabrina Carpenter trägt Filmgeschichte am Leib, Heidi Klum wird zur Skulptur, Anok Yai zur Ikone. Gleichzeitig markiert der Abend einen institutionellen Übergang: Anna Wintour tanzt, aber Chloe Malle übernimmt das Ruder. Die Ausstellung läuft bis Januar 2027 – Zeit genug, um die Frage „Is fashion art?“ in Ruhe zu beantworten. Die Met Gala selbst hat ihren Standpunkt längst klar gemacht.





