Die Met Gala 2026 wird zur Kunstausstellung und Heidi zur lebenden Kunst
Met Gala 2026: „Fashion is Art“
Die Blicke waren ihr sicher: Topmodel Heidi Klum als Staue auf dem roten Teppich der Met Gala 2026
Ein grauer Abend in New York, die Stufen des Metropolitan Museum of Art im Scheinwerferlicht – und mittendrin eine Frau aus Latex, die aussieht, als hätte Michelangelo sie gerade aus dem Stein geschlagen. Heidi Klum schreitet die Treppe hinauf, reglos wie ein Exponat, lebendig wie ein Popstar. Willkommen bei der Met Gala 2026, wo das Motto „Fashion is Art“ nicht als Marketingphrase gemeint ist, sondern als Herausforderung an jeden, der einen Fuß auf den roten Teppich setzt.
Ein Thema, das es ernst meint
Die diesjährige Ausgabe des glamourösesten Abends der Modewelt dreht sich um die Costume Art-Ausstellung des Metropolitan Museum of Art, kuratiert von Andrew Bolton. Die Schau, die vom 10. Mai 2026 bis zum 10. Januar 2027 zu sehen ist, untersucht laut dem Museum „die Zentralität des bekleideten Körpers“ und stellt Objekte aus der eigenen Sammlung neben historische und zeitgenössische Kleidungsstücke. Kurz gesagt: Mode und bildende Kunst werden als gleichwertige Disziplinen verhandelt – und die Gäste haben die Botschaft verstanden.
Heidi Klum als gemeißeltes Meisterwerk
Kaum jemand hat das Thema so konsequent verkörpert wie Heidi Klum. Das Supermodel und Fernsehmoderatorin erschien in einem maßgefertigten Ensemble des Designers Mike Marino, das aus einer Mischung aus Latex und Spandex besteht. Die Inspiration stammte aus dem Archiv der klassischen Bildhauerei: Giuseppe Sammartinos „Verschleierter Christus“ von 1753 und Raffaele Montis „Verschleierte Vestalin“ aus dem 19. Jahrhundert dienten als Vorlagen. Das Ziel war eindeutig – Klum sollte zur „lebenden Skulptur“ werden, komplett mit der Illusion gemeißelten Steins auf ihrer Haut. Das Ergebnis war weniger Modenschau als Museumsinstallation auf zwei Beinen.

Jordan Roth und sein steinerner Begleiter
Noch einen Schritt weiter ging Jordan Roth, Broadway-Produzent, Performer und anerkannte Modepersönlichkeit. Roth erschien in einem maßgefertigten Look des in London ansässigen Designers Robert Wun: ein grauer Samtanzug, aus dem eine überlebensgroße Figur herausragte, die ihn von hinten umklammerte. Roth war damit buchstäblich sein eigenes Skulptur-Ensemble. Als achtteiliger Gala-Veteran – bekannt unter anderem für einen Iris-van-Herpen-Umhang, der beim Ausbreiten der Arme eine vollständige Theaterkulisse enthüllte – weiß er, wie man einen Auftritt inszeniert.

Die Inspiration war präzise gewählt: „Pygmalion und Galatea“ von Jean-Léon Gérôme, ein Gemälde aus der Sammlung des Met, das den Moment zeigt, in dem ein Bildhauer seine Skulptur küsst und sie zum Leben erwacht. „Ich wollte die Beziehung zwischen Figuren in der klassischen Skulptur erkunden“, erklärte Roth. Das Anziehen dauerte allein vier Stunden für Haar und Make-up plus weitere 45 Minuten für das Kostüm. Am Freitag zuvor gab es eine Generalprobe, um Timing und Statik zu klären.
Logistik am Limit: Wenn Kunst in den Van muss
Die Anreise zur Met ist für gewöhnlich eine logistische Herausforderung – für Roth war sie es in besonderem Maß. Immerhin konnte er dieses Jahr tatsächlich in einem Van sitzen, was er selbst als Rarität bezeichnete. Seitlich, mit der Skulptur im Rücken balancierend, erreichte er das Museum. Einmal drinnen, wurde die große Skulptur abgenommen – sie hätte beim Abendessen einen eigenen Stuhl benötigt. Stattdessen trug Roth fortan eine kleinere Version: zwei Steinarme, die sich über seiner Brust kreuzten, „wie eine große Skulptur-Halskette“, wie er es beschrieb.
Begegnungen in Stein: Wenn Kunstwerke miteinander reden
Auf dem roten Teppich kam es zu einem der unwahrscheinlichsten Momente des Abends: Roths Skulptur stieß Theaterveteran Hugh Jackman versehentlich in die Rippen – oder, wie Roth es formulierte, „in das Auge“. Wenig später traf er auf Katy Perry, die er zunächst nicht erkannte, weil ihr Gesicht hinter einer Spiegelmaske verborgen war. Erst als sie die Maske öffnete, lüftete sich das Rätsel. Und dann war da noch das Gespräch „von Statue zu Statue“ mit Heidi Klum – zwei lebende Skulpturen im Austausch, wobei Roth erst später auf Fotos erkannte, wen er da eigentlich gegenübergestanden hatte.
Das Who-is-who einer Gala mit Gewicht
Die Gala selbst war prominent besetzt wie selten. Beyoncé co-vorsitzt den Abend gemeinsam mit Nicole Kidman, Venus Williams und der langjährigen Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour. Das Gastgeber-Komitee wird von Anthony Vaccarello und Zoë Kravitz angeführt und umfasst Namen wie Sabrina Carpenter, Doja Cat, Gwendoline Christie, Misty Copeland, Elizabeth Debicki, Sam Smith und A’ja Wilson. Als Hauptsponsoren fungieren Jeff Bezos und Lauren Sánchez Bezos; Saint Laurent und Condé Nast leisten zusätzliche Unterstützung. Unter den weiteren Gästen des Abends wurden unter anderem Anne Hathaway, Amanda Seyfried und Emma Chamberlain gesichtet.
Heidi Klum in Latex-Marmor, ein Highlight der Met Gala 2026
Die Met Gala hat schon viele Themen gesehen – von „Camp“ bis „Heavenly Bodies“ – doch „Fashion is Art“ trifft einen Nerv, der über Ästhetik hinausgeht. Wenn eine Heidi Klum in Latex-Marmor die Treppe erklimmt und ein Jordan Roth mit einer Steinfigur auf dem Rücken über den roten Teppich balanciert, dann ist das keine Kostümparty mehr. Es ist eine performative Auseinandersetzung mit der Frage, wo Mode aufhört und Kunst beginnt – oder ob diese Grenze je existiert hat. Andrew Boltons Ausstellung gibt bis Januar 2027 Antworten. Der rote Teppich hat bereits seine eigene geliefert.
Und am Ende hat sich die Klum-Statue auch noch etwas leckeres zu essen genehmigt, wie man auf Instagram entdecken konnte:






