Der Adidas Adizero Adios Pro Evo 3 ist Weltrekordhalter – Nike war gestern
Drei Podestplätze, ein Schuh, ein Hersteller. Der deutsche Sportartikel-Gigant Adidas dominiert gerade überraschend ein Gebiet, welches traditionell von dem US-amerikanischen Konkurrenten Nike angeführt wurde: Den Laufsport!
Alle Hintergründe: Wie es dazu kommen konnte und was das für die Sportausrüster-Giganten sowie den Laufsport bedeutet, erfährst du in diesem Artikel.
Der Adidas Adizero Adios Pro Evo 3 gewinnt den Kampf der Sportausrüster-Giganten: Wie Adidas Nike auf eigenem Gebiet schlägt
Am 26. April 2026 hielt Sabastian Sawe nach dem Zieldurchlauf beim London Marathon einen Schuh in die Luft. Auf der Sohle stand in schwarzem Filzstift „WR“ und „sub-2“. Der Kenianer hatte soeben in 1:59:30 Stunden als erster Mensch einen Marathon in einem offiziellen Rennen unter zwei Stunden absolviert und dabei den bisherigen Weltrekord von 2:00:35, aufgestellt vom verstorbenen Kelvin Kiptum in Chicago im Oktober 2023, um mehr als eine Minute unterboten.

Der Schuh, den er in die Kamera hielt, war der Adizero Adios Pro Evo 3 von Adidas. Und genau das ist der Punkt, um den sich gerade eine der wichtigsten Debatten im globalen Sportartikelmarkt dreht.
Was der Schuh leistet und was Adidas darüber sagt
Der Adizero Adios Pro Evo 3 wiegt im Schnitt 97 Gramm, 30 Prozent weniger als sein Vorgänger. Adidas gibt an, die dritte Iteration der Evo-Linie verbessere die Laufökonomie um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorgängermodell. Erreicht wird das durch innovative Schaumstoffmischungen, eine Carbon-Platte in der Sohle und ultraleichte Komponenten im Obermaterial. Sawe selbst beschrieb den Unterschied nach dem Rennen so: „Das Entscheidende ist, dass er so leicht und sehr komfortabel ist.“

Sawe war nicht der einzige Athlet in diesem Schuh. Yomif Kejelcha aus Äthiopien, der in seinem Marathondebüt Zweiter wurde, trug denselben Schuh. Tigst Assefa gewann das Frauenrennen und stellte dabei ihren eigenen Weltrekord ein, ebenfalls im Adizero Adios Pro Evo 3.
Drei Podestplätze, ein Schuh, ein Hersteller. Wer am 26.April im Championship-Startbereich, dem schnellsten Amateurfeld des London Marathon, die Schuhe zählte, sah laut Reuters vor allem Adidas und Pumas Nitro Elite. Nikes Alphafly und Vaporfly, jahrelang das Standardbild an Startlinien großer Marathons, waren kaum zu sehen.
Wie Nike in diese Position geraten ist
Die Geschichte des Superschuhs beginnt eigentlich mit Nike. Das Breaking2-Projekt in Monza 2017 verfehlte die Zwei-Stunden-Marke knapp, und Eliud Kipchoge lief sie 2019 im INEOS 1:59 Challenge tatsächlich, allerdings außerhalb der offiziellen Rekordlisten. Nike setzte damals den Standard, was Carbon-Platten und reaktiver Schaumstoff im Wettkampfschuh leisten können. Dass nun Adidas die Marke bricht, die Nike nie offiziell knackte, ist deshalb mehr als ein technisches Detail.
Simon Jaeger, Portfoliomanager bei Flossbach von Storch, das Anteile an beiden Unternehmen hält, sagt sinngemäß auf Deutsch: „Nike hat Schwierigkeiten bekommen, weil das Unternehmen nicht innovativ genug war.“ Er verweist auf das, was er als „Führungsversagen“ unter dem früheren CEO John Donahoe bezeichnet. Nikes aktueller Chef Elliott Hill, der 2024 das Ruder übernahm, hat angekündigt, die Marke wieder auf Kernsportarten wie Laufen und Fußball auszurichten. Die Margen sind dennoch weiter unter Druck geraten, die Marktkapitalisierung ist gesunken, Stellen wurden gestrichen. Neue Versionen des Alphafly und des Vaporfly sollen laut Jaeger noch in diesem Jahr kommen, aber eben später. London gehörte Adidas.
Bloomberg Opinion-Kolumnistin Andrea Felsted ordnet die Lage so ein, sinngemäß auf Deutsch: „Die gängige Erklärung für Nikes Probleme ist, dass eine Reihe agiler Newcomer wie On Holding und Brooks dem US-Konzern Marktanteile weggenommen haben, besonders im Laufsegment. Adidas‘ Erfolg beim London Marathon zeigt, dass Nike auch einem starken traditionellen Wettbewerber gegenübersteht.“
Was die Zahlen dahinter sagen
Adidas-Aktien stiegen am Montag nach dem Rennen um 1,5 Prozent. Gemessen am Jahresbeginn 2026 liegen sie jedoch rund 18 Prozent im Minus, belastet durch die Exposition gegenüber US-Zöllen und die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten. Der Kursanstieg nach London ist also ein Signal, kein Trendwechsel an der Börse.
Gleichzeitig wächst der Markt für Laufschuhe insgesamt. Marathonveranstaltungen ziehen mehr als 50.000 Läufer an, und Sportartikelmarken setzen Personal ein, das per Klickzähler erfasst, wie viele Teilnehmer welche Marke tragen. Hoka und On haben von der gestiegenen Nachfrage profitiert. Nike, traditionell stärker auf den US-amerikanischen Basketballmarkt ausgerichtet, musste seine Strategie überdenken. Der Adizero Adios Pro Evo 3 kostet 500 Dollar und soll ab Donnerstag über die Adidas-App erhältlich sein, mit einer breiteren Markteinführung zur Herbst-Marathonsaison. Der Preis setzt das Modell außerhalb der Reichweite der meisten Breitenläufer, was im Massenmarkt ein Problem bleibt.
Was daraus folgt
Der Weltrekord in London ist für Adidas das, was Kiptums Chicago-Lauf 2023 für die Frage nach dem menschlichen Limit war: ein Referenzpunkt, der alles Vorherige neu bewertet. Adidas hat nicht nur einen Athleten gewonnen, sondern das Narrativ. Wer künftig über den Superschuh-Wettbewerb schreibt, beginnt mit dem 26. April 2026.

Ob das in stabile Marktanteile übersetzt werden kann, hängt davon ab, wie Adidas den Evo 3 in den Massenmarkt bringt und ob Nike mit den angekündigten neuen Versionen von Alphafly und Vaporfly rechtzeitig zur Herbstsaison liefert. Jaeger sagt, Adidas gewinne gerade sowohl im Lifestyle-Segment als auch in der Laufperformance. Das ist die Kombination, die langfristig zählt. Ein Weltrekord allein macht noch keine Marktführerschaft, aber er setzt den Ton.





