Irgendwann im vergangenen Jahr hat Markus Marsch eine Entscheidung getroffen, über die er mit niemandem gesprochen hat. Nicht weil er es vergessen hätte, sondern weil er wusste, was käme.
„Egal, mit wem ich im Vorfeld darüber gesprochen hätte, sie hätten mich alle für verrückt erklärt“,
sagt der 36-Jährige im Gespräch mit ntv.de. Also hat er es einfach getan: seinen Job bei SAP gekündigt, einem der wertvollsten Unternehmen der Welt, und angefangen, zweimal täglich zu trainieren. Striking, Ringen, Grappling.
Ziel: ein professioneller MMA-Kampf im Jahr 2026.
Von der Konzernzentrale ins Trainingscamp
Marsch kommt aus Heidelberg, arbeitete bei dem deutschen Software-Riesen SAP als „Global Head of Go-To-Market Execution“, also im mittleren Management eines Konzerns, der keine Sorgen um seine Existenz kennt. Wer dort auf dieser Ebene sitzt, hat finanziell Boden unter den Füßen. Dienstreisen, Meetings, Budgetverantwortung. Ein Leben, das sich gut anfühlen kann, wenn man es mag.
Marsch mochte es. Das betont er ausdrücklich.
„Ich kann nichts Negatives über meinen Job sagen. MMA ist einfach das, wofür ich brenne.“
Der Einstieg in den Sport verlief, wie er selbst sagt, „soft“: erst einmal im Monat, dann einmal die Woche, dann mehr. Irgendwann kippte das Verhältnis. Nicht der Job, sondern das Training wurde zum Zentrum.
„Mit 36 Jahren muss man sagen: Hopp oder top.“
Der Absprung war dabei kein finanzieller Ruin. Marsch sagt, sein früherer Job habe ihm die komfortable Situation gebracht, als Vollzeitathlet nicht Monat für Monat ums Überleben kämpfen zu müssen. Das ist eine Voraussetzung, die die meisten Quereinsteiger nicht haben. Er hat sie genutzt.

Zwischen 12 und 14 Einheiten pro Woche
MMA ist komplex. Das ist kein Klischee, sondern das strukturelle Problem für jeden, der spät anfängt. Ein Boxer hat ein Leben lang geboxt. Ein Ringer hat ein Leben lang gerungen.
Ein MMA-Kämpfer muss beides können, dazu Grappling, Kondition, mentale Stabilität unter extremem Druck. Wer mit 36 einsteigt, hat keine dieser Grundlagen in der Tiefe, die ein Profi braucht.
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Marsch versucht das mit einem, wie er es nennt, „Fast-Track“ zu lösen. Er trainiert mit gestandenen Profis, darunter Niko Samsonidse, Oktagon-Kämpfer aus Berlin.
„Wer hat die Chance, mit jemandem zu trainieren, der auf diesem Niveau Profikämpfe gemacht hat? Es ist eine Perspektive, die ich in meinem Training vorher nicht hatte“,
sagt Marsch.
Seine Überzeugung dahinter ist schlicht:
„Umso besser die Leute sind, mit denen du trainierst, umso schneller verbesserst du dich.“
Samsonidse selbst glaubt, dass im MMA
„alles möglich ist, wenn man die nötige Arbeit reinsteckt“.
Gleichzeitig macht er keine falschen Versprechungen. Der Quereinstieg sei sehr schwer, weil der Sport so komplex ist.
„Es wird Dinge im technischen Bereich geben, die schwer fallen, aber auch die physischen und psychischen Aspekte sind herausfordernd. Das Durchhaltevermögen, so viel zu trainieren, muss man erstmal entwickeln. Der Kampf selbst ist eine extreme mentale Herausforderung. Da heißt es: Er oder ich.“
Zwischen 12 und 14 Einheiten absolviert Marsch pro Woche. Striking, Ringen, Grappling, Hyrox, Strength und Conditioning. Das ist kein Hobby-Programm.
Das ist das Pensum eines Vollzeitprofis, ohne die zehnjährige Grundlage, auf der ein Vollzeitprofi normalerweise aufbaut.
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Der Praktikant mit Konzernerfahrung
Was Marsch beschreibt, wenn er über seinen neuen Alltag spricht, ist ein Identitätsbruch in Zeitlupe.
„Gefühlt bin ich jetzt wieder der Praktikant“,
sagt er. Jemand, der jahrelang Entscheidungen getroffen, Teams geführt und Strategien verantwortet hat, steht nun in einer Trainingshalle und macht Fehler, die ein 22-Jähriger nicht mehr macht.
Dazu kommt ein anderes Verhältnis zur Konsequenz.
„Im Job passiert nichts, wenn du nicht performst. Wenn ich in MMA meine Leistung nicht bringe, werde ich körperlich bestraft.“
Das ist keine Metapher. Das ist die Logik eines Kontaktsports, in dem schlechte Entscheidungen unmittelbar und direkt beantwortet werden.
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Nach seinem Trainingsaufenthalt in Berlin reist Marsch in ein Camp nach Südafrika, wo er mit Kämpfern der Professional Fighters League arbeitet. Zumindest in dieser Hinsicht denkt der Ex-Manager noch global. Den Profikampf selbst will er ohne große Bühnenerwartungen angehen. Es soll kein „Hinterhof“ sein, wie er sagt, aber die Größe der Veranstaltung sei zweitrangig.
„Es soll nur professionell vorbereitet sein, so wie ich an diesem Tag.“
Auf Instagram schreibt Markus Marsch unter einem seiner Posts zu seinem Weg vom Business-Man zum MMA-Fighter passend:
„Nicht jeder Traum passt in einen Lebenslauf.
15 Jahre Corporate.
Struktur. Verlässlichkeit. Gutes Geld.Mit 36 treffe ich eine andere Entscheidung.
Nicht aus Trotz.
Nicht aus einer Krise.
Sondern aus Klarheit.Ich lasse das Corporate-Leben hinter mir und gehe all-in für MMA.
Nicht als Hobby.
Nicht als Phase.
Sondern als Weg.Training. Zweifel. Fortschritt. Realität.
Ohne Abkürzungen.Das ist der Anfang.“
Was dieser Schritt bedeutet
Marsch ist kein Ausnahmeathlet, der einen vorgezeichneten Weg geht. Er ist ein Mann Mitte dreißig, der einen sicheren, gut bezahlten Job aufgegeben hat, weil er wissen wollte, wie weit er kommt. Das ist keine Karrierestrategie. Es ist eine persönliche Frage, die er sich selbst beantwortet haben will.
„Für mich ist es das, was den Sport ausmacht. Fußball trainiere ich, um am Ende zu spielen. Wenn du den Sport ganzheitlich erfahren willst, gehört ein Kampf einfach dazu.“
Ob er 2026 tatsächlich in einem professionellen MMA-Käfig steht, ist offen. Die Lernkurve ist steil, das Zeitfenster eng, der Sport gnadenlos gegenüber Lücken in der Grundlagenarbeit.
Was feststeht: Markus Marsch hat die Entscheidung getroffen, mit der er allein war. Und er hat aufgehört, darauf zu warten, dass irgendjemand sie für vernünftig erklärt.
Er handelt nach dem Prinzip: Einfach machen! Wir finden, das hat Respekt verdient und wünschen Markus alles Gute und weiterhin viel Erfolg bei seinem Weg zum MMA-Kämpfer!
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